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dot.net magazin - Editorial 12.2005

Glücksgefühle im Beta-Land

Setup completed – was war das für eine Erleichterung als diese Meldung nach der Installation der RC1 von VS 2005 erschien. Es war das erste Mal, dass bei mir eine VS-2005-Installation glatt durchlief. Jeder meiner durchaus ernst gemeinten Versuche war bisher entweder daran gescheitert, dass sich die Mai-CTP nicht mit Build 5015.2307 des .NET Framework 2.0 vertrug, irgendwelche Installationsüberbleibsel der J#-2.0-Runtime eine Installation verhinderten oder die Installation der Preview des SQL Server 2005 aus irgendeinem Grund kurz vor dem Ende abbrach. Selber Schuld kann man natürlich sagen, denn jeder weiß, worauf er sich bei Microsoft in diesem Punkt einlässt. Doch ganz so einfach es ist es nicht – wer rechzeitig wissen will, was Microsoft als Nächstes plant und vor allem darüber berichten möchte, muss sich notgedrungen auf das Abenteuer einlassen und es ist außerdem keineswegs selbstverständlich, dass ein großer Hersteller so offen mit seinen Vorabversionen umgeht. Vmware oder Virtual PC sorgen zwar dafür, dass die Systemkonfiguration nicht in den Abgrund gerissen wird, doch sie ersparen einem nicht stundenlange Installationsmarathons mit ungewissem Ausgang (vielleicht gibt es in Zukunft die Installations-DJs, die zu Ihnen ins Büro kommen und dort zu trendiger Musik Microsofts Betazoo installieren). Am einfachsten wäre es für alle Beteiligten natürlich, wenn Microsoft einfach komplette virtuelle Festplatten für den VPC zur Verfügung stellen würde (das geschah aus Lizenzgründen bislang lediglich ansatzweise), denn eine fehlerfreie Installation kann überaus motivierend wirken und sogar gewisse Glücksgefühle auslösen. Bei Visual Studio 2005 gibt es bekanntlich einiges, auf das man sich mit kindlicher Vorfreude stürzen kann (in Ausgabe 3/2006 werden wir die deutschsprachige Version von Visual Studio 2005 ausführlich vorstellen).

Ist am 7. November alles vorbei? Sicher nicht. Zum einen bezeichnet Microsoft den "Launch-Event" lediglich als den Start einer "world wide rolling launch season", sodass es durchaus sein könnte, das am 7. November in Seattle zwar die Sektkorken knallten, aber noch kein Produkt verfügbar war. Zum anderen steht mit der WinFX-Beta bereits die nächste große Baustelle vor der Tür, die aufgrund ihrer Tragweite sehr schwer zu ignorieren sein wird (Sie werden es sich schon gedacht haben, WinFX setzt auf .NET 2.0 und VS 2005, aber es genügt bereits Windows XP SP2 und die Installation ist sogar mir gelungen). Wer bereits eine Vorabversion des kommenden Office 12 "live" erleben konnte (z. B. unter http://channel9.msdn.com/showpost.aspx?postid=114720), wird die Ansicht teilen, dass mit Windows Vista und WinFX ein Paradigmenwechsel bei der Visualisierung von Daten einhergeht (unsere WinFX-Serie von Dirk Frischalowski gibt davon einen kleinen Vorgeschmack). Ein kleiner Tipp zum Schluss: Stellen Sie vor der Installation von VS 2005 unbedingt sicher, dass sich keine Beta-Reste mehr auf dem System befinden. Ein kleines Removal-Tool kann Ihnen dabei sehr nützlich sein, Sie finden es im MSDN-Blog von Aaron Stebner unter http://blogs.msdn.com.

Der Schwerpunkt dieser Ausgabe ist dem Thema SAP gewidmet, genauer gesagt natürlich den Schnittstellen zwischen .NET und der SAP-Plattform, was aber nichts mit den schon lange kursierenden Gerüchten über eine mögliche Fusion der beiden IT-Giganten zu tun hat. Ich erinnere mich noch gut an einen Berufsratgeber in einem großen Computermagazin Mitte der 90er Jahre, in dem neben dem Berufsbild "SAP-Berater" ein Ferrari abgebildet war (ich weiß bis heute nicht, warum ich mich nicht wenigstens danach erkundigt habe, was ein "SAP-Berater" so alles können muss). Diese Zeiten sind sicherlich vorbei, doch SAP dürfte mit seiner einzigartigen Erfolgsgeschichte noch immer ein Garant für gesunde Margen und ein solides Umfeld sein, das durch Nichts und Niemanden erschüttert werden kann. In dieser Ausgabe geht es natürlich nicht um Business und Gerüchte, sondern um die nackte Technik – wie z.B. den SAP Connector for .NET der SAP und seine interessante Alternative ERPConnect.NET der Stuttgarter Firma Theobald Software. Ein Übersichtsartikel von Tilo Bötcher, Microsoft Programm Manager im Collaboration Technology Support Center bei der SAP, gibt einen Überblick über die Berührungspunkte beider Welten und einen höchstinteressanten Ausblick auf das geplante Mendocino-Projekt (Sie werden den Namen wie ich mit Sicherheit am Anfang falsch aussprechen), das SAP-Geschäftsprozesse nahtlos in Office integrieren und, hier schließt sich der Kreis, mit Avalon visualisieren soll. Sollten Sie also (wie ich) noch keinen Ferrari fahren, kann es vielleicht daran liegen, dass Sie diesem Thema bislang zu wenig Beachtung geschenkt haben.

Trotzdem viel Spaß und neue Erkenntnisse wünscht Ihnen,
Peter Monadjemi,
Chefredakteur dot.net magazin
peterm@dotnet-magazin.de


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